Asche bleibt | Fragment


Ich starre gebannt in die sich kräuselnde, dunkle Oberfläche des Spiegels, der vor mir hängt. Alles in Dunkelheit gehüllt, leuchtet seine eigene Dunkelheit aus der Nacht, verspricht mit stummem Wispern eine Welt aus Licht und Sonne, hinter ihm. Ich erkenne sie nicht, ich sehe nur die Finsternis. Und ich hasse sie. Dafür, dass sie zwischen uns steht, dafür, dass sie mich dich hassen und verabscheuen lässt. Ein Gefühl, das ich so gut kenne. Ein Gefühl, das immer wieder kommt. Ein Gefühl, das immer wieder dafür sorgt, das ich alleine hier sitzen bleibe – ohne mein Gesicht im Spiegel erkennen zu können. Es ist nicht so, als würde ich darin eine Fratze sehen. Oder einen Dämon. Oder etwas Dunkles, gegen das ich mir einbilde kämpfen zu müssen. Ich sehe nur den Hass und die Wut, die sich wie Asche über die Sonne legen, um diese zu verdunkeln.

Manchmal blitzt es, dort im Spiegel, und ich kann erahnen, was hinter ihm verborgen liegt. Doch die Asche ist mehr als nur verbranntes Papier. Sie ist verbranntes Land, verbranntes Fleisch, sie ist die dunkle Materie im Zentrum unserer Herzen, der Dunkle Begleiter, der uns immer zusammengeschweißt hat, in Pein und Leid, in Finsternis und Dunkelheit, in Sturm und Feuer, in den tiefen Wassern unserer gebrochenen Herzen.
Ich streiche mit der Hand über die glatte, kalte Oberfläche des Spiegels, hoffe immer wieder die Dunkelheit wegwischen zu können, doch sie ist hinter dem Glas. Immer wieder weine ich darum, nicht hineingreifen zu können um die Sonne zu befreien, um sie scheinen lassen zu können, nicht begreifend, dass sie selbst der Hass ist, der alles verbrannte.
Wir wollen ins Licht, doch die Schicht dunkler Asche, die uns daran hindert es anzulachen und anzutanzen, ersteht selbst aus diesem Licht. Aus der Hitze einer roten, äonenalten Sonne, wie sie heiß und innig liebend alles verbrennt, was zu ihr aufsieht. Um zu reinigen. Um uns zueinanderzuführen. Um unsere Dunkle Materie zu verbrennen.
Doch das Glas ist unnachgiebig. Der Hass ist unnachgiebig und die Abscheu auch.
Ich habe so viel für dich getan, dir soviel gegeben flüstere ich der Schicht verbrannter Liebe auf dem kalten Spiegelglas zu. Ich hasse dich dafür. Mir all das genommen zu haben.
Und wieder blitzt es, dort im Spiegel, und ich kann erahnen, dass nichts hinter ihm verborgen liegt.
Sondern ich mich einfach nur umdrehen müsste.

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